Ernst Fischer

Belgrad – einst Metropole…

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Als ich 1999, nach dem Ende des Balkankrieges, in Belgrad eingetroffen bin, da sah ich wohl die enormen Schäden welche an den Gebäuden angerichtet wurden durch das NATO-Bombardement. Dieses wurde ausgelöst durch ganz bewusste Falschinformationen des damaligen Deutschen Aussenministers.

Aber die Stadt lebte, der Alltag kehrte zurück und die Menschen hinterliessen bei mir im gewissen Sinne einen fröhlichen und erleichterten Eindruck Sie waren erleichtert, dass nun alles mehr oder weniger vorbei war. Der alte Optimismus befand sich langsam wieder im Aufwind. Vor allem bei der stark betroffenen Belgrader Bevölkerung. Diese hat die Narben im Gesicht der Stadt zur Kenntnis nahmen doch gleichzeitig den Willen bekundeten, diese Narben so rasch als möglich zu heilen.

Dazu brauchte es jedoch vor allem eine starke, entschlossene und zielorientierte, korruptionsfreie Regierung sowie ein entsprechendes Parlament. Das fehlt heute in Serbien ganz.

Vor kurzem besuchte ich einmal mehr Serbien. Die negativen Veränderungen welche ich selber im Verlauf der letzten Jahre bemerkte stimmten mich traurig und  richtiggehend wütend.

20 Jahre sind seit dem unseligen Krieg vergangen, einiges hat sich zum Guten entwickelt bis zu dem Tag an dem die heutige Regierung unter Alexander Vucic an die Macht kam. Von diesem Moment an begann langsam der Niedergang des heutigen Serbiens. Vor allem jedoch, der wunderbaren, lebhaften und einst fröhlichen und optimistisch und positiv eingestellten Stadt Belgrad. Mangels guten Zukunftsperspektiven verlassen viele junge, gut ausgebildete Menschen nach Möglichkeit  mit ihren Familien das Land. Ich konnte die langen Menschenschlangen vor den Botschaften Kanadas, Deutschlands, Australiens und anderen Ländern nicht übersehen. Alle diese dort stehenden Menschen wollen nur eines, ein Visum Ihres gewünschten Landes beantragen oder sie warteten nur darauf, dieses Visum dort abholen zu können.

Alle diese sehr gut ausgebildeten Menschen, Ärzte und andere Akademiker der verschiedensten Bildungsrichtungen wie auch die vielen handwerklich äusserst gut ausgebildeten Menschen  –  Diese fehlen in Zukunft dem Lande um dieses Land  wieder auf den einst hohen Stand zu bringen den es vor dem Balkankrieg verkörperte. Belgrad war eins die Metropole Jugoslawiens  –  heute verkommt die Stadt zu einer schmutzigen Provinzstadt Serbiens mit einer Maroden Infrastruktur. Auch wenn mit enorm viel Arabischem Geld der neue Stadtteil “Belgrad am Wasser” gebaut wurde und noch wird  –  der alte Glanz der Metropole Belgrad ist unwiederbringlich erloschen, zerstört. Das zeigt sich auch am ehemals schönen, traditionellen “Platz der Republik”  vor dem National Theater  –  alles wirklich ein erhaltenswertes Kulturerbe  –  und genau das wird von der Vucic Regierung und seinem Parlament systematisch, Schritt für Schritt zerstört. Da kann das von den Saudis finanzierte Projekt “Belgrad auf dem Wasser” keinen Ersatz leisten.

Aber eben, mit einigen Dinar Handgeld, einem Kilogramm Mehl und Zucker sowie einem Liter Speiseöl und einem Sandwich kauft die Vucic Partei SMS die  einfachen , grossenteils minderbemittelten Teile der Bevölkerung  –  leider ist das der grössere Teil der noch nicht ausgewanderten serbischen Bevölkerung. Und so kann diese Partei schalten und walten wie es ihr und dem dazugehörigen Präsidenten passt.

 Zum Thema Auswanderung…

Die grosse Anzahl auswanderungswilliger welche wöchentlich vor der bereits erwähnten Botschaften in Belgrad anstehen um  einen Antrag für ein Visum oder für andere Ausreisepapiere zu  bekommen, dies ist ein klarer Indikator wie gut es um die Zukunftsaussichten für die arbeitswillige, serbische Bevölkerung steht.

Doch Alexander Vucic, Präsident von Serbien, fühlte sich vor  einigen Wochen dazu berufen, Deutschland den Vorwurf zu machen, dass es dem Land Serbien Ärzte, Akademiker und gut ausgebildeten Menschen stehle. An Stelle solch doch sehr dummen Beschuldigungen sollte er doch besser dafür besorgt sein, dass alle  Menschen bessere Aussichten im eigenen Lande haben. Dass sie sich eine gute Zukunft im eigenen Lande aufbauen könnten. Aber eben…

Einfach sehr, sehr schade um Belgrad und das ganze Land Serbien…

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